Foto: radio m, Anja Kieser

Sei kein A… – sei einfach normal

Es geht manchmal auch einfach. So schwer ist es gar nicht, ein guter Mensch zu sein. Sei einfach normal. Tu das, was ein normaler Mensch tun würde. Ob es so einfach ist und was ist das Normale? Dem geht Pastor Markus Bauder heute nach.

Wochenspruch  – Jes 40, 3.10

Psalmgebet – Ps 85, 2-8

Predigttext  – Lk 3,(1–2)3–14(15–17)18(19–20)

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Impuls

Ich bin immer wieder überrascht, wie klar, einfach und deutlich biblische Texte sind: wenn man genau hinhört. Haben Sie bei dem Text von eben genau hingehört? Wenn nicht, nehmen Sie sich die Zeit und lesen Sie den Text nochmal nach. Lukas 3,1-14. Sie können, ja hier auf Pause gehen, den Text online oder in der Bibel nachlesen und dann weiterhören.

Jetzt wage ich mal meine Sicht auf den Text:

Man überhört ganz leicht die entscheidenden Stellen. Was ist die Hauptbotschaft des Johannes? Mit einem Satz zusammengefasst? Ich wähle mal eine genauso drastische Sprache wie Johannes: Sei einfach kein(!) Arschloch! Ich weiß nicht, ob sie das jetzt daneben finden, aber das ist, in meinen Augen, kurz und kräftig zusammengefasst, die Botschaft des Johannes: Sei kein Arschloch. Er hat die Worte „Schlangenbrut“ und „Otterngezücht“ verwendet. Aber es ist im Grunde dasselbe.

Johannes spricht die Wahrheit einfach und klar aus und sie ist heute noch so wichtig wie damals: verhalte dich so, dass dich alle anderen achten und annehmen können. Mach deine Sache gut. Betrüge niemanden. Sei fair, ehrlich, rücksichtsvoll, im rechten Augenblick nett und freundlich. Sei nicht eingebildet. Schon gar nicht auf deine Herkunft oder deinen Stand. Hör auf, die Leute von oben herab zu behandeln. Achte ihre Grenzen und benimm dich wie ein Mensch, der weiß, dass er auf die anderen angewiesen ist und mit anderen in dieser Welt unterwegs ist.

Johannes will doch nichts Besonderes. Auch im Namen Gottes will er nichts Besonderes. Die Taufe, die er anbietet, soll die Leute nicht verzaubern oder irgendwelche Wunder vollbringen.

Sie ist ein Zeichen dafür, dass ein Mensch verstanden hat, dass er der Reinigung bedarf. So wie der Körper, braucht auch Seele und Geist Reinigung. Erneuerung. Aufmerksamkeit. Schlechte Gedanken und schlechte Taten sind wie Schmutz und der muss immer mal wieder abgewaschen werden. Ein Neuanfang wie nach einem Vollbad oder eine Dusche.

Johannes, obwohl Prophet oder gerade deshalb, hat auch keinerlei Mühe, mit Menschen zu sprechen, die den frommen Juden verboten waren: Zöllner und Soldaten. Und das, was sie tun sollen um ein gutes Leben zu führen, ist doch das normalste der Welt: übervorteilt niemanden, seid mit eurem Sold zufrieden, erpresst niemanden. In den Ohren der frommen Juden ja geradezu gotteslästerlich. Wie kann er behaupten, mit solch banalem Handeln käme man bei Gott durch?

Kann es sein, dass Gott von uns gar nicht mehr will als dass wir uns gut benehmen? Menschenfreundlich. Gott ist gar nicht unser permanentes schlechte Gewissen. Er ist gar nicht der Richtergott, dem gegenüber man nie, aber auch gar nie, recht ist.

Was sollen wir tun? Wir sollen tun was recht ist. Ober eben einfach kein Arschloch sein.

Ich muss bei dieser Geschichte fast immer ein bisschen schmunzeln. Da meint man, Johannes predigt den Weltuntergang, droht und beschimpft die Leute. Dabei ist sein Ziel ein ganz einfaches: Lass dich waschen und benimm dich.

Wenn du mehr hast als ein anderer, gib etwas ab. Wenn dein Gegenüber hungert, teile dein Essen.

Bilde Dir auf Deinen Stand nichts ein. Auf Deinen Wohlstand oder Reichtum. Nicht auf deine Geburtsurkunde und auch nichts auf deinen Taufschein. Oder die Pokale, die du im Laufe deines Lebens gewonnen hast. Vor Gott sind sie eh nichts Besonderes wert. Bilde Dir überhaupt nichts ein. Erhebe Dich nicht über andere.

Die Wahrheit ist manchmal bestechend einfach. Fast irritierend. Keine Dogmatik, keine Kulte, keine Spezialgesetze oder besondere Riten.

Abgesehen von einer Taufe, die, in diesem Fall, meinen Wunsch nach Reinigung widerspiegelt. Johannes tauft – und das ist schon ein Unterschied zur christlichen Taufe – bevor Jesus in die Welt gekommen ist. Ein Zeichen der Reinigung und der Umkehr. Keine Bekehrung zum christlichen Glauben. Ein Zeichen für mich und alle Welt, dass ich ein normales, ehrliches Leben führen will. Ich will mich nicht von den Ellbogen dieser Welt fertigmachen oder auch mitreißen lassen. Eine Erinnerung, ein Ausrufezeichen, das mir hilft auf meinem Weg in einer schwierigen Welt.

Mir gefällt, dass dies ein Text in der Adventszeit ist. Ein Text, der im Zusammenhang mit Jesu Kommen in diese Welt ist. Der deutlich macht: Gott sind die normalen Menschen wichtiger als alles andere. Er hofft, dass möglichst viele Menschen zuhören und sich in ihrem Verhalten bemühen, es recht zu machen. An Weihnachten, aber überhaupt.

Mir gefällt überhaupt nicht, dass ich befürchte, dass es viele Menschen gibt, die den Kopf schütteln und sagen: träum weiter. Wär‘ ja schön, wenn das funktionieren würde. Aber heutzutage musst du ein Schwein sein in dieser Welt. Du musst dich durchsetzen, andere klein machen, Feindbilder aufbauen und dich abgrenzen von allen, die anders ticken und denken als du. Und du musst stark sein, dich wehren.

Ich will es mir, gerade in der Adventszeit und auf Weihnachten hin, sagen lassen: ein vor Gott gutes Leben, ist ein Leben, das auch in den Augen deiner Mitmenschen schlicht gut ist. Gerade nichts außergewöhnlich Besonderes. Eher einfach. Normal. Das, was man einfach erwarten kann. Oder erwarten können sollte. Oder was man im Inneren, im Herzen spürt und ahnt, dass es richtig ist.

Dass Ihnen das gelingt – und dass Ihnen solche Menschen heute begegnen – das wünsche ich Ihnen.