Wundertamtam

Wunder sind großartig! Sie sind laut und schrill. Sie stehen fett in der Zeitung. Wunder haben ihren Auftritt, sonst taugen sie nichts. Werden übersehen. Naja, ich merke schon, das stimmt nicht ganz. Spannend ist daher heute unser biblischer Text, den Markus Bauder betrachtet, denn da hätte einer gerne ein bisschen mehr Tamtam. Leisere Töne kommen von unserem Beter.

1 Kommentar
Kommentare
  1. Joachim S.
    Joachim S. aus der Schweiz sagte:

    Dieser „kleine Gottesdienst“ ist phantastisch gut. Vielen Dank dafür.
    Ich kommentiere den „kleinen Gottesdienst“ so gut wie nie, aber so ein positives Feedback sollte erlaubt sein. Gott segne Euch Anja und Markus und alle Zuhörer.

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Zu dieser Geschichte fällt mir zuerst und vor allem ein, dass die allermeisten Wunder, die täglich geschehen, leise sind. Unscheinbar. Ohne, dass ich besonders dankbar bin, ohne dass davon in der Zeitung oder einem Messengerdienst etwas steht oder davon in einer der täglichen Talkshows die Rede ist.

Dass täglich die Sonne aufgeht, dass wir aus dem Schlaf erwachen und in einen neuen Tag gehen können. Dass Menschen ein Krankenhaus verlassen können und Medikamente tatsächlich helfen. Dass ich gesund und wohlbehalten an dem Ort ankomme, an den ich zu Fuß, mit dem Rad, Auto, der Bahn oder dem Flugzeug aufgebrochen bin. Dass Menschen einander im Leben zur Seite stehen und helfen.

Dazu die unzähligen Ereignisse, in denen tatsächlich Recht gesprochen wird, Anträge genehmigt werden, Menschen von ihrer Hände Arbeit leben können, Armen geholfen wird und unser Gesundheits- und Sozialsystem funktioniert. Und dass es auf die Länge der Zeit weltweit besser wird. Der Hunger in der Welt tendenziell weniger wird, der Wohlstand eher zunimmt. Der Fleischverbrauch eher abnimmt. Sogar im Klimaschutz gibt es Fortschritte.

Im Grunde muss man doch sagen, funktioniert in unserer Welt und in der Schöpfung das allermeiste sogar täglich, minütlich nicht nur gut, sondern ganz hervorragend. Auf geradezu wundersame Weise ausgezeichnet.

Das, was in der Zeitung steht und in den Nachrichten kommt, sind fast immer nur die Ausnahmen. Die, aufs Ganze gesehen, viel weniger vorkommen als wir annehmen.

Natürlich gibt es schlechte Entwicklungen und Katastrophen, das will ich uns ja gar nicht ausreden. Wir müssen uns auch um sie kümmern. Aber aufs Ganze gesehen …

Gell, Ihnen geht es wie mir, oder wie Naamann – wir hätten doch gerne auch bei den Wundern etwas mehr Tamtam. Das muss man doch viel mehr und besser inszenieren, gestalten und vor allem veröffentlichen. Was nichts kostet ist doch nichts wert. Und es müssen doch hinter den tollen Entwicklungen und Wundern auch große Namen stehen.

Auch in der Kirche. Wenn da jemand eine Glaubensgeschichte erzählt, muss es doch mindestens die Bekehrung eines reuigen Mörders sein, oder die Heilung von einer unheilbaren Krankheit. Oder ein Lottogewinn.

Dass ein Mensch heute etwas mehr Mut hat als gestern oder weniger verzweifelt ist als vorgestern, gilt nicht.

Oder dass mir meine Blutdrucktabletten tatsächlich helfen.

Oder dass ich heute gut geschlafen habe, oder besser als gestern. Und sogar ohne Baldrian. Oder ich einigermaßen unfallfrei die letzten Jahre unterwegs war.

 

Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viel Arbeit es im Himmel war, das alles hinzukriegen.

 

Die wahren Helden in der Geschichte mit Naamann sind außer Gott, der den Herrn General geheilt hat, das Sklavenmädchen in seinem Haushalt, das seiner Herrin vom Propheten erzählt hat und die Diener des Generals, die ihn überredet haben, doch noch in den Jordan zu steigen.

Die kleinen Leute. Die Unscheinbaren. Du und ich in unserem ganz normalen Alltag. Die zur rechten Zeit das richtige tun und kein Aufhebens davon machen.

 

Deshalb meine Empfehlung heute: Augen aufmachen, genau hinschauen. Wir können an jedem normalen Tag unendlich viele Wunder entdecken und sehen. Sie kommen ohne großes Tamtam daher. Ohne dass jemand Berühmtes daran beteiligt wäre und ohne dass es viel Geld kostet.

Darüber sollten und können wir uns freuen. Gott handelt und ist da. Gott beschenkt uns. Jeden Tag. Sicher sind daran auch Menschen beteiligt. Warum denn nicht. Gottes Geschöpfe. Gottes Kinder. Und wenn sie, bzw. wir das dann auch noch sehen, entdecken und darüber dankbar sein können – das ist ja unter Umständen auch ein Wunder.

Ich wünsche Ihnen einen auf diese Weise wunderbaren Tag und eine ebensolche Woche.

Ich möchte beten …

Gebet

Gott, du bist in unserem Leben am Handeln. Jeden einzelnen Tag können wir Wunder über Wunder entdecken und sehen. Wir danken dir, wo immer wir das schon gesehen haben. Auch und vor allem natürlich die großen Dinge. Die wirklich unerwartbaren Wunder.

Heute wollen wir dir auch für die kleinen Dinge danken. Für das unscheinbare und selbstverständliche, das wir annehmen und oft für normal halten. Danke, wo immer jemand zur rechten Zeit das rechte getan hat, wo jemand friedlich geblieben ist, ein Mensch gesund geworden ist, ein Unfall nicht passiert ist.

Öffne unsere Augen und Herzen für diese Alltäglichkeiten, mit denen du uns beschenkst. Lehre uns, diese Dinge mehr zu achten und wertzuschätzen.

Gemeinsam beten wir mit den Worten, die Jesus seine Jüngerinnen und Jünger zu beten gelehrt hat:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name.

Dein Reich komme, Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern,

und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.