Foto: radio m, Anja Kieser

Zuammenhalt und Frieden

Das wünschen sich die meisten Menschen. Ein Wunsch, der auch bei Gott gut aufgehoben ist.

Wochenspruch   – 2. Kor 13, 13

Psalmgebet  – Ps 113

Predigttext  – 2. Kor 13, 11-13

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Soziale Konflikte. Religiöse Umbrüche. Kulturelle Vielfalt. Klingt nach? Berlin, Frankfurt, New York? Klingt auch nach Korinth.

Korinth ist er der Ort, der um das Jahr 50 nach Christus eine bedeutende Stadt im Römischen Reich ist. Gelegen auf der Landenge zwischen dem griechischen Festland und dem Peloponnes. Nach ihrer Zerstörung durch die Römer von Julius Caesar als römische Kolonie neu gegründet. Schnell entwickelt sich Korinth zu einem wohlhabenden Handelszentrum.

Die Stadt ist geprägt von kultureller Vielfalt. Griechen, Römer, Juden, Freigelassene und Sklaven leben hier zusammen. Viele Menschen ziehen nach Korinth, um Arbeit und Wohlstand zu finden. Der Alltag ist stark von sozialer Ungleichheit geprägt: Während reiche Händler und Beamte in prächtigen Häusern mit Mosaiken leben, hausen die armen Menschen in einfachen, oft überfüllten Unterkünften. Sklaverei ist weit verbreitet und bildet das Rückgrat vieler wirtschaftlicher Aktivitäten.

Uhhh…. klingt alles irgendwie auch ein bisschen nach heute. Ich stelle mir eine pulsierende Stadt vor. Voller Leben und mit all den Schattenseiten, die eine pulsierende Stadt aber auch hat.

Korinth ein Knotenpunkt für den Warenverkehr in der damaligen Zeit. Handwerksbetriebe, Märkte, Tavernen und Badehäuser prägen das Stadtbild. Auch der Tempelbezirk mit dem Apollon-Tempel ist prägend für die Stadt. Neben den traditionellen griechisch-römischen Göttern gibt es auch eine jüdische Gemeinde und erste christliche Gruppen.

Und diese sind die Adressaten von Pauls‘ Briefen, die wir in der Bibel nachlesen können. Soziale Konflikte. Religiöse Umbrüche. Kulturelle Vielfalt. Das sind die Schlagworte damals und sie passen zu heute.

Deshalb ist das, was wir heute im Impulstext aus dem 2. Korintherbrief gehört haben, aktueller, zeitloser denn je.

Wir hören Worte, die klingen wie aus einer langen Rede von Vater oder Mutter entnommen. So am Ende, wenn alles schon gesagt ist und doch wird nochmal das Wesentliche zusammengefasst. Nach dem Motto: Eigentlich habe ich ja schon alles gesagt, aber hier nochmal zum Mitschreiben:

Seid auf Einigkeit aus und lebt in Frieden miteinander.

Gott ist der, der euch ins Leben berufen hat, der Heil bringt und Liebe schenkt. Und verbunden ist das alles im Heiligen Geist, der euch mit Gott und untereinander verbindet. So ist Einigkeit, Zusammenhalt und Frieden möglich.

 

Alles gesagt. Den Korinthern damals und uns heute. Aber was heißt das nun konkret?

Was heißt das, wenn ich z.B. in der Wochenzeitung „Die Zeit“ lese: „Alle Menschen machen sich Gedanken über die Gesellschaft. Die Leute sind weniger egoistisch, als viele Politiker womöglich glauben. Vielmehr gibt es eine tiefe Sehnsucht nach Zusammenhalt und einem Gemeinwesen, das funktioniert. Die Basis für Zusammenhalt allerdings ist Vertrauen – der Menschen untereinander und Vertrauen in die Demokratie. Außerdem hat das geschwundene Vertrauen etwas mit einem Zukunftsdefizit zu tun. Das morgen besser wird als heute, ist mittlerweile eine verwegene These.“ So steht das alles in der Zeitung[1].

Diese Gedanken hat Laura Kessler zusammengetragen, die in der Wochenzeitung „Die Zeit“ veröffentlicht wurden. Sie leitet seit einigen Wochen die Unterabteilung – Modernes Deutschland – im Stab von Vizekanzler Lars Klingbeil. Das ist so was wie ein hausinterner Thinktank. Suchen und schauen, wie die Welt da draußen tickt, ist ihre Aufgabe. Um die richtigen Werkzeuge zu finden, was dieses Deutschland braucht und wie man das, was man denkt, was Deutschland braucht, auch zu den Menschen bringt. Wie man sie mitnimmt und keinen abhängt.

 

Die Gesellschaft, die Menschen, die in ihr leben, sehnen sich nach Zusammenhalt, sagt Laura Kessler, aufgrund vieler Befragungen und Beobachtungen, sagt sie das. Sie wollen, dass das Miteinander funktioniert. Eigentlich sind die Menschen gar nicht so egoistisch. Und warum ist der Eindruck ein anderer? Warum funktioniert das mit Zusammenhalt scheinbar dennoch nur mäßig, obwohl der Wunsch da ist?

Weil das Vertrauen schwindet. Ist die Begründung. Das braucht es aber. Einer muss dem anderen vertrauen können und die Menschen müssen der Demokratie vertrauen können. Heißt es in dem Artikel.  Wenn das der Fall ist, dann haben die Menschen auch weniger Angst vor der Zukunft. Sie haben dann nämlich wieder eine Perspektive. Mir leuchtet das ein. Doch wie macht – man – das?

 

Mir scheint der Impulstext aus dem 2. Korintherbrief einen Hinweis darauf zu geben. Denn da geht es auch um Zusammenhalt, Einigkeit, Vielfalt, Frieden haben.

Die Worte aus dem 2. Korintherbrief, sie beschwören die Einheit – den Zusammenhalt. Sie werben für ein Miteinander aller. Nur so kann Frieden entstehen. Sie setzen auf die Liebe. Weil Gott jeden liebt, könnt auch ihr liebevoller miteinander umgehen, meinen sie, wenn sie zu uns sprechen. Diese Worte, die hier Paulus zugerechnet werden, aber wahrscheinlich sind es eher die Worte seiner Schüler, die hier im 2. Korintherbrief nochmal alles zusammentragen, was sie von ihrem Lehrer Paulus gehört und gelernt haben, sie fassen das Wesentliche zusammen und sie treffen damit den Nagel auf den Kopf.

 

Nur, wenn eine Gesellschaft im Inneren stabil ist, wenn sie zusammenhält, kann sie den Anforderungen des Lebens, des Miteinanderlebens Stand halten.

Der erste Punkt ist innere Stabilität.

Der andere Punkt ist: Strebt ein Miteinander aller an.

Die Worte sind hier an die christlichen Gemeinden in Korinth gerichtet. Es gibt verschiedene christliche Strömungen, sogar andere Religionen. Es geht hier um eine ökumenische Perspektive, um ein gemeinsames Unterwegssein trotz Verschiedenheit. Einheit trotz Verschiedenheit. Das geht, meinen die paulinischen Schreiber. Diese Einheit bringt Frieden. Und diese Einheit ist möglich, weil Gott sich den Menschen offenbart hat. Gleich in dreifacher Weise. Gott ist Schöpfer, Vater und Mutter. Ursprung des Lebens und er ist lebendig geworden in Jesus Christus, um die Menschen zu heilen. Wieder mit ihm zu vereinigen, weil sie in Jesus erkennen können: Gott vergisst niemanden, Gott liebt alle, Gott überwindet alles, was uns trennt, sogar den Tod und er vereint. So verbunden mit Gott zu sein, das kann Menschen miteinander verbinden. Und das wird verstärkt durch das, was am Pfingstfest erlebbar wurde: Es gibt eine Kraft, einen Geist Gottes, der in den Menschen wohnen will und sie mit Gott und untereinander verbindet. Der heilige Geist hält alles zusammen.

Die Sehnsucht nach Frieden, nach einer Gesellschaft, die zusammenhält, fängt bei mir an. Und sie kann damit anfangen, dass ich Gott um Frieden für mich bitte.

„Gott, lass es in mir Frieden werden, dass ich andere in Frieden begegnen kann.“

Und dass ich Gott um seine Liebe bitte. „Gott, lass mich deine Liebe erleben, damit ich mich und andere lieben kann“.

Und dass ich Gott bitte, dass er mir Mut macht auf andere zuzugehen. „Gott, lass mich im anderen nicht das Trennende sehen, sondern das Einende. Dass jeder von dir geliebt ist und du niemanden ablehnst.“

Es ist Gottes Geist, seine Kraft, die das möglich machen kann. Paulus und seine Schüler raten uns, darum zu bitten und sie wünschen es uns, dass wir genau das erleben. Gott kann möglich machen, wonach wir uns sehnen.

Und diese Kraft bewirkt dann ein Zweites. Ich kann wieder Vertrauen fassen. Vertrauen zu Gott und zu den Menschen, weil ich sie mit Gottes Augen sehe. Weil ich Gutes sehe. Weil Gottes Liebe wieder Perspektiven schafft.

Ja, es klingt alles irgendwie naiv. Aber was bietet mehr Perspektive, schafft Zusammenhalt und Frieden, dieser Kraft Gottes, die jedem das schenken will eine Chance zu geben oder lediglich hoffen, dass das alles schon irgendwie wird?

Ich bin für aktives Tun. Ich möchte Gott die Chance geben, mich zu verändern, damit ich dazu beitragen kann, dass er friedlicher wird, und wir Menschen gemeinsam Lösungen finden und somit auch eine Perspektive für das Morgen. Für Zusammenhalt und für Frieden.

Amen

[1] Aus: Die Zeit, Nr. 24 5.6.2025 Seite 2 „Ideen für Lars“ von Robert Pausch