Echt? Erzähl!

Wenn wir uns Geschichten erzählen, dann… Dann passiert sehr viel und deshlab ist es so wichtig, dass wir uns füreinander Zeit nehmen.

Der heutige kleine gottesdienst passt zu unserem Legespiel, das unsere Unterstützer:innen erhalten haben. Aber keine Sorge, der Gottesdienst ist auch ohne das Spiel verständlich.

Wer aber das Spiel haben möchte, dem schicken wir es gerne gegen eine kleine Spende zu: Kontakt

Diese beiden Impulse kommen im heutigen Gottesdienst vor und können einzeln nachgehört werden:

Impuls Benjamin Elsner – Danke

Impuls Kerstin Mühlmann – Engel mit starken Armen

kleiner gottesdienst:

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Hier erzählen, wo du mit anderen ins Erzählen kommst):

Echt? Erzähl! Ich freu mich immer, wenn ich ein Wochenende mit meinen Freundinnen von früher verbringen kann. Wir sehen uns meist nur ein Mal im Jahr, denn wir wohnen an verschiedenen Orten, weit voneinander entfernt. Wenn wir uns dann sehen, dann ist das ein großes Happening. Wir freuen uns und die Stadt, in der wir uns treffen, ist eigentlich nebensächlich, denn das Wichtigste ist: Haben wir einen Platz zum Erzählen. Ungestört. Für uns. Mit leckerem Kuchen und Kaffee und am Abend mit Spaghetti oder Schnitzel. Zeit um uns auszutauschen. Was war los in den letzten Monaten? Wie geht es den Kindern? Den älter werdenden Eltern? Wir erzählen von schönen Festen, aber auch von traurigen Momenten. Vom Job. Von den Schmerzen in den Füßen und dass die Zeit auch bei uns ihre Spuren hinterlässt. Wir hören zu, ermuntern und bestärken uns, nehmen einander in den Arm und haben Raum, auch mal zu weinen, weil raus muss, was die Seele bedrückt. Zum Erzählen gehört auch zu erzählen, was mir geholfen hat, als es mir schlecht ging, wo ich Hilfe erfahren habe und wie ich mit Schmerz und Verlust umgehe. Erzählen verbindet.

 

(Allgemein):

Erzählen. Geschichten voneinander hören, das ist nicht nur die Weitergabe von Informationen, sondern es verbindet. Es aktiviert Emotionen, Erinnerungen, lässt Bilder vor unseren Augen entstehen. Das Erzählen ruft bei mir etwas hervor, wenn ich erzähle, aber gleichzeitig auch beim Zuhörenden. Es kann Perspektiven schaffen oder verändern. Es kann mich trösten. Mir Zuspruch geben. Auch Orientierung und Halt finde ich im Hören auf die Geschichten anderer und vergewissere mich meiner Erinnerungen im eigenen Erzählen. Das Zuhören ist besonders wichtig beim Erzählen. Ich nehme mich in dieser Zeit selbst zurück. Versuche die Welt mit den Augen des anderen zu sehen. Erkenne seine Wunden, seine Hoffnungen und Freuden, worauf diese Person Wert legt und wie sie empfindet. Erzählen und Zuhören, das kann Vorurteile abbauen, es kann Lösungen und Antworten bringen, es kann mir neue Impulse geben; in jedem Fall wird es mein Leben reicher machen.

 

Das Judentum. Die Religion, auf die sich unser christlicher Glaube gründet, ist im Besonderen eine Religion des Erzählens. Die Bibel beginnt nicht mit Lehrsätzen, sondern mit Geschichten. Von der Schöpfung, über Familiengeschichten. Sie erzählt von Abraham und Mose. Von der Befreiung des Volkes Israel aus Ägypten und der Gefangenschaft. Von freudigen und schwierigen Neuanfängen. Von Umwegen und Herausforderungen. Von Festen und wie sie gefeiert werden. Diese Geschichten, die wir im Alten Testament der Bibel finden, die werden in der rabbinischen Tradition nicht einfach nur gelesen; sie werden immer wieder aufs Neue weitererzählt, ausgelegt und diskutiert. Zu verschiedenen Anlässen, an verschiedenen Orten. Bei dem jüdischen Fest Pessach-Seder wird das besonders deutlich: Hier wird erzählt, wie das Volk Israel aus der ägyptischen Gefangenschaft befreit wurde. Dabei erfolgt die Erzählung einer bestimmten Liturgie, also sie hat einen bestimmten Ablauf, um den Inhalt der Erzählung zu untermauern, auszuschmücken, aber vor allem erlebbar zu machen. Die Hörenden sollen die Geschichte förmlich erleben. Den Auszug in die Freiheit spüren, mit eigenen Emotionen verbinden.

 

Geschichten von Gott erzählen. Was Menschen mit ihm erlebt haben. Wie er sich den Menschen zeigt. Wie Gott tröstet, Halt gibt, Hoffnung macht und Mut, neue Wege zu gehen. Das alles versuchen wir bei radio m in unseren Hörfunkbeiträgen im Radio den Menschen durch unser Erzählen erlebbar zu machen. Unsere Radiobeiträge sind kurz. Und doch lassen sie Bilder entstehen. Rufen Emotionen hervor und bringen vielleicht dem einen oder anderen einen neuen Blick auf eine Sache oder geben ihnen Mut und Kraft ihrem Leben einen neuen Impuls zu geben. Vielleicht fangen sie an, nach diesem Gott zu fragen. Vielleicht entdecken sie ihn neu. Vielleicht, vielleicht, vielleicht… Wir wissen das nicht. Wir streuen Gottes Geschichten ins Land. Wie samen auf ein Feld. Dass es Frucht bringen möge. Dieses „von Gott erzählen“ ist uns so wichtig. Es ist unsere DNA und deshalb ist es uns auch ein Anliegen, dass Menschen untereinander ins Erzählen kommen. Sich austauschen über Gott und die Welt.

In der Evangelisch-methodistischen Kirche findet so ein Austausch immer wieder in Hauskreisen statt. Ein Thema, angelehnt an einen biblischen Text, wird besprochen, neu diskutiert und dabei werden eigene Erfahrungen zu diesem Thema weitergegeben. Solche Abende im Hauskreis sind bereichernd. Aber auch Abende mit Freunden, mit denen man vielleicht ein Spiel spielt und dann ins Reden kommt, können ebenso bereichernd sein. Wir haben ein kleines Spiel konzipiert, um genau das zu erreichen: Ins Erzählen zu kommen.

Es gibt in diesem Spiel 24 Kärtchen. Zwei Kärtchen gehören immer zueinander, so dass es 12 passende Paare gibt. Ein Paar besteht immer aus einem kurzen Satz und einem dazu passenden Foto. Satz und Foto wiederum beziehen sich auf eine biblische Geschichte. Diese Geschichte kann über einen QR-Code auf der Seite der Deutschen Bibelgesellschaft nachgelesen werden. Ein weiterer QR-Code auf der Rückseite der Kärtchen führt auf eine Seite von radio m. Dort gibt es zu jedem Foto einen kurzen Impuls, der zu der Bibelstelle passt und den Einstieg ins Thema erleichtert.  In zwei Beispiele hören wir rein.

In einer Geschichte im Lukasevangelium (Lk 17, 11-19) wird von zehn Aussätzigen berichtet. Benjamin Elsner erzählt die Geschichte so:

(Text Ben: das kann eingespielt werden):

Komisch! In der Bibel wird erzählt, wie zehn Menschen Jesus aufgelauert haben. Sie alle waren unheilbar krank und erhofften sich, von ihm geheilt zu werden. Und Jesus antwortete ihnen: „Geht zu euren Priestern und lasst euch eure Gesundheit bescheinigen.“ Und auch wenn das seltsam war, liefen sie los. Mit jedem Schritt den sie taten, ging es ihnen besser, bis sie schließlich gesund waren. Aber, damit ist die Geschichte noch nicht am Ende. Nur einer kam zu Jesus zurück, danke ihm und dankte Gott und Jesus sagte diesem einen: „Dein Glaube hat dich gerettet!“ Warum diese besondere Erwähnung über den Einen, der es anders gemacht hat? Ich glaube, weil es einen Unterschied macht, ob ich mich einfach nur freue, dass ich wieder gesund bin und zum Alltag übergehe oder ob ich Gott für diese gar nicht so kleine Kleinigkeit danke, sie dadurch bewusst wertschätze und so mein Leben ganz neu beginne, mit dem Bewusstsein, dass Gott mich sieht und begleitet. Ein Neubeginn, den Gott allen anbietet, egal wie tief die Gräben sind in die wir uns verlaufen haben. Oft nur ein Gebet entfernt und wo wir es zulassen, ein echter Neubeginn!

 

Allgemein:

Alle erleben Heilung, nachdem sie ausgegrenzt, körperlich krank und auf Hilfe angewiesen waren. In dem Moment, in dem sie gesund werden, schlagen aber alle verschiedene Wege ein. Neun gehen weiter in ihr neues Leben. Einer dreht um. Er geht zurück und sucht den, der ihn geheilt hat. Seine Dankbarkeit führt neben der äußeren Heilung zu einem inneren Wendepunkt. Er erkennt etwas: Heilung hat mit Beziehung zu tun; mein Leben ist Geschenk. Nicht nur ich habe Anteil an meinem Leben, sondern andere auch: Gott, andere Menschen. Ohne sie wäre ich vielleicht nicht da, wo ich bin. Das macht mich dankbar. Führt von mir zum anderen. Und dann geht es darum, sich mit anderen darüber auszutauschen. Siehst du das auch so? Hast du das auch schon erlebt? Wem bist du dankbar? Wie leicht fällt es dir zu danken? Erzählt euch davon!

Ein anderes Pärchen unseres kleinen Spiels erzählt eine sehr bekannte Geschichte. Kerstin Mühlmann macht sie so erlebbar:

 

(Text Kerstin. Das kann eingespielt werden):

Ein Loch im Dach. Hab ich mal als Kind erlebt. Der Hausumbau, das komische Gefühl im Bauch: Hoffentlich geht das gut. Hoffentlich stürzt nicht alles ein! Es ging gut. Aber hängen geblieben ist bei mir: ein Hausdach fasst man nur an, wenn es wirklich nötig ist. Ist ein gelähmter Freund Not genug? In der Bibel gibt es eine Geschichte, in der vier Männer ein Loch in ein fremdes Dach gemacht haben. Ungefragt! Sie wollen ihren gelähmten Freund zu Jesus bringen. Unbedingt. Trotz der Menschenmassen, die sich schon um Jesus drängt. Dass das Ärger geben und Jesus ihnen vielleicht gar nicht zuhören könnte, ignorieren sie. Sie glauben fest daran, dass er ihrem Freund helfen wird. Ob der selbst daran geglaubt hat oder ob es ihm eher unangenehm war? Kommt in der Geschichte gar nicht vor. Vielleicht hatte er seine Hoffnung samt Glauben längst begraben. Aber seine Freunde haben geglaubt, vielleicht sogar für ihn mit. Jesus hat das sicher auch gespürt. Als er das große Vertrauen der vier Freunde sieht, macht er den Gelähmten wieder gesund. Mir sagt das: Glauben und mutig sein, lohnt sich. Gerne auch für zwei!

 

Allgemein:

Nicht immer kann ich alles aus eigener Kraft tun. Und das ist keine Schande. Entscheidend sind im Leben nicht eigenen Ressourcen, sondern, dass ich mit anderen unterwegs bin. Mit Gott unterwegs bin. Mitgetragen werden; strak sein, durch die Kraft der anderen oder durch Gott; Hindernisse müssen keine Sackgassen sein; Kreativität, Hilfsbereitschaft; das sind alles Themen, die in dieser Geschichte stecken. Wäre es nicht schön zu hören, wo andere schon solchen Engeln in ihrem Leben begegnet sind? Zu hören, dass auch andere mal schwach waren und wie sie das erlebt haben? Und vielleicht ist gerade einer oder eine dabei, die das Gebet oder die helfende Hand gerade jetzt braucht. Erzählt es euch.

 

Erzählt euch von Gott. Von eurem Alltag. Von dem was euch umtreibt, sorgt und nicht schlafen lässt. Teilt, was ihr Gutes erfahren habt. Wo euch Gott begegnet ist und was ihr ihm zu danken habt.

 

Oder wie es im Brief an die Epheser heißt:

Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen.

 

Amen