Du sollst es sein!

Ich? Wer ich? Meinst du wirklich mich? Wie ist es, wenn Gott einen beruft, eine bestimmte Aufgabe zu übernehmen? Hinhören oder weghören? Einer hat hingehört und gesagt: „Hier bin ich. Sende mich!“ Was das bedeutet und wie gut es tut sich im Gebet zu vergewissern, dass Gott einen nicht vergisst, das wird heute Thema bei uns sein.

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Berufung – der Abschnitt, den wir gerade gehört haben, ist die Berufung Jesajas zum Propheten. Von Gott. In einer Vision, die Jesaja gehabt hat.

Das gibt es ja heute noch. Dass jemand berufen wird. Auch im profanen Leben. Meist geht es dabei um wichtige Aufgaben und Ämter. Auf Professorenstellen wird man berufen. Oder zum Richter. Irgendetwas bedeutendes in der Regel. Ein außergewöhnliches Dienstverhältnis. Der Staat oder ein entsprechender Berufungsausschuss beruft jemand. Beauftragt ihn oder sie mit einer Aufgabe oder einem Amt.

Oder Gott beruft jemanden. Zum Propheten wie in unserem Bibeltext. Oder in eine andere Aufgabe.

Von Pastor:innen erwartet man, dass sie sich berufen fühlen. Dass sie also deutlich machen können, dass die Idee, Pastor:in zu werden, nicht nur eine eigene, private Idee ist, sondern dass sie sich von Gott in diese Aufgabe, in dieses Amt berufen fühlen.

Sie stehen damit nicht nur im Dienstverhältnis mit ihrer Kirche, sondern auch in einer Art Dienstverhältnis mit Gott. In dessen Namen sie ja meist unterwegs sind. Im Auftrag des Herrn gewissermaßen …

Das scheint einerseits einer modernen Berufsauffassung zu widersprechen. Weil es so offen scheint und so umfangreich. Zum Propheten oder zur Pastorin berufen zu sein, ist irgendwie unabhängig von Arbeitszeiten, konkreten Aufgaben und einer leistungsgerechten Entlohnung. Man kann sich sehr abhängig fühlen von dem, der einen berufen hat. Was den Beruf eines Propheten oder auch einer Pastorin eher wenig attraktiv erscheinen lässt.

Andererseits ist eine solche Berufung auch eine starke Motivation. Von Gott berufen, wer mag einem da widersprechen? Das klingt nach großem Rückhalt und großer Autorität.

Es gab und gibt in meinem Leben und Arbeiten als Pastor immer wieder Zeiten, in denen ich froh war, das Gefühl zu haben, zu dieser Aufgabe von Gott berufen zu sein. Meist waren dies krisenhafte Zeiten. Zeiten, in denen ich an mir selbst, oder auch andere an mir, gezweifelt haben und ich mir nicht vorstellen konnte, dass Gott so einen wie mich brauchen kann. Zeiten, in denen mir die Arbeit nicht leichtgefallen ist.

In Zeiten, in denen alles gelingt und alle zufrieden mit einem sind, ist die Motivation ja an sich schon gut und hoch.

Ich habe erlebt, dass Berufung ein Weg ist und es ganz unterschiedliche Dinge gibt, mit denen Gott mir meinen Weg zeigt: da war ein Pastor, der mich ernsthaft gefragt hat, ob ich mir schon mal überlegt habe, Pastor zu werden. Dann gab es einen Bibelvers, der mich angetriggert hat. Oder eine Predigt über Gehorsam, die mich ins Fragen gebracht hat. Dann habe ich theologische Vorlesungen besucht und wusste plötzlich „hier will ich sein“ „hier gehöre ich hin. Oder dass andere Wege, auf die ich mich beworben habe, nicht geklappt haben. Und dann natürlich die Geschwister in unseren Gemeinden, die mich auf meinem Weg bestätigt haben.

Aber selbst nach bald 40 Jahren auf diesem Weg, stelle ich mir die Frage, ob ich auf dem richtigen Weg bin, immer noch. Nicht ganz grundsätzlich, aber mit dieser Offenheit und Spannung: Gott, wo willst Du mich haben? Zeige es mir.

Ich finde eine solche Berufung wichtig für mich. Sie macht mir deutlich, dass meine Aufgabe nicht nur von mir abhängt. Meinen Fähigkeiten, meiner Kraft, meiner Lebenssituation, sondern dass es da jemanden gibt, der außerhalb meiner selbst hinter mir steht und mich trägt. Gott.

Darüber hinaus ist mir wichtig geworden, dass ich selbst aber auch wollen muss. Ohne meinen Willen, diese Aufgabe wahrzunehmen, geht es auch nicht. Widerwillig berufen zu sein, klappt nicht. Zumindest kein Leben lang.

Spannend fand und finde ich auch die Frage, ob meine Besonderheiten, meine besonderen Ansichten, meine Art, das Leben zu leben, meine Lebensumstände Teil meiner Berufung sind? Muss ich mich, oder gar meine Familie sich anpassen, damit ich in die Berufung passe oder ist mein individuelles Leben gerade das Besondere, das, in diesem Fall, Gott braucht und will?

Und wie bekommt man das alles zusammen mit dem Berufsbild eines Pastors, einer Pastorin in der evangelisch-methodistischen Kirche?

Sie ahnen, das muss man immer wieder diskutieren und den aktuellen Zeiten anpassen. Gerade in unserer Zeit, in der sich das Arbeiten in der Kirche, aber auch Glaubens- und sogar Berufungsverständnisse verändern.

Da wäre noch die Frage: wird man von Gott nur in bestimmte Berufe oder zu bestimmten Aufgaben und Ämtern berufen? Prophet z.B. oder Pastor:in, oder den hauptamtlichen Dienst in der der Kirche?

Meine Antwort ist ganz klar: natürlich nicht. Gott beruft in ehrenamtliche Aufgaben, er beruft Schreiner und Techniker ganz genauso oder Lehrer:innen.

Ich halte das für eine wichtige Frage eines jeden gläubigen Menschen: Lieber Gott, wo willst du mich haben? Was ist mein Platz, meine Aufgabe in diesem Leben? Wo siehst Du mich?

Und ich lade Sie ein, sich dieser Frage, zumindest immer mal wieder, offen und ehrlich zu stellen.