Hallo? Ist da jemand?

Gott redet in der Bibel ganz schön oft mit den Menschen. Wenn ich  ihn doch auch nur so gut hören könnte? Tröstlich, dass Samuel, von dem die Bibel erzählt, auch so seine Probleme hatte.  Dabei ist reden mit Gott und hören auf Gott eine prima Sache.

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Wundersam klingt diese Geschichte. Ein bisschen wie in einem Märchen. Drei Mal wird einer gerufen und begreift nicht, wer ihn da ruft. Und am Ende begreift dieser Samuel auch nur, weil sein Ausbilder, der Priester Eli, ihn darauf hinweist, dass er, Samuel, nicht im Schlaf Stimmen hörte, nicht dachte Eli sei der Rufer, sondern Gott selbst, ihn ruft.

Gott ruft Samuel. Er will etwas von ihm oder will ihm etwas sagen. Und Samuel versteht nur Bahnhof. Also nichts. Kurz und knapp könnte das für mich und mein Leben heißen: ich kapiere es nicht, wenn Gott mich ruft. Wer ist mein Eli, der mir hilft zu hören? Nur: Das ist zu kurz und zu knapp. So viel mehr steckt in dieser einfachen, sonderbaren Geschichte.

 

Wer ist dieser Samuel?

Er ist ein zu tiefst erbetenes Kind. Seine Mutter Hanna kann keine Kinder bekommen und ist verzweifelt. Sie betet in vollkommener Hingabe zu Gott. Der Priester Eli, der das hört, denkt, sie sei verrückt. Aber nein, Hanna betet und ist gewiss: Gott wird mir ein Kind schenken und wenn er das tut, dann werde ich diese Kind Gott zurückgeben. Und so kommt es. Sie bekommt Samuel und löst ihr Versprechen ein. Sie übergibt das Kind dem Priester Eli. Er soll den jungen Samuel zu einem Gottesdiener machen. Allein der Name scheint Programm zu sein. Samuel, das heißt „Gott hat erhört“. Gott hat die Gebete Hannas erhört.

 

Samuel kann aber auch so übersetzt werden: „Höre du auf Gott“. Ja, genau das soll Samuel bei Eli lernen. Er soll Gott bei ihm kennen lernen, hören lernen, was Gott mit ihm vor hat.

 

Hören lernen. Auf Gott hören lernen ist ein Prozess. Das steckt in dieser Geschichte.

Es ist ein Prozess, weil es vieles gibt, was ich seit Kindesbeinen an höre. Das geht schon los, wenn ich nicht mal geboren bin. Das Gehör bildet sich im Mutterleib aus und früh ist die Stimme der Mutter erkennbar und der Menschen um einen herum. Schon hier höre ich Gutes und weniger Gutes. Stimmen und Geräusche die Angst machen, Stress auslösen oder besänftigen.

Und später, da höre ich hoffentlich Sätze, wie „ich hab dich lieb“, „du bist toll“, ich bin froh, dass es dich gibt“. Aber vielleicht auch Sätze, wie „es wäre besser, wenn es dich nicht geben würde“ oder „hau ab“ oder „du taugst nichts“. Vieles geht durch das Ohr direkt ins Herz. Vieles will ich gar nicht hören. Vieles überhöre ich. Vielleicht auch viel Gutes, weil ich es nicht an mich herankommen lassen kann. Warum auch immer.

Hören ist nicht einfach. Es kann heilsam und schmerzhaft sein. Wer redet also? Ist es Gott oder sind es die Menschen?

Samuel hat sicherlich bei Eli schon viel über Gott gehört. Aber Gott selbst? Den scheint er noch nicht gehört zu haben. Der biblische Text, den wir gehört haben, beginnt auch mit den Worten: „Und zu der Zeit, als der Knabe Samuel dem Herrn diente unter Eli, war des Herrn Wort selten, und es gab kaum noch Offenbarung.“

Da war anscheinend von Gott nicht viel zu hören und nicht zu sehen.

Da fehlt es an Erfahrungen, an Begegnungen mit Gott, an einer Beziehung. Samuel hat von Gott gehört und doch Gott noch nicht gehört.

Doch jetzt hört er eine Stimme. Jetzt spricht da jemand zu ihm. Aber weil er Gott ja noch nicht gehört hat, denkt er, es sei Eli.

Gut, dass Eli seinerseits mit Gott Erfahrungen gesammelt hat. Erst kann auch er nicht zuordnen, was da vor sich geht, wahrscheinlich weil sich Gott schon lange nicht mehr hörbar gemacht hat, dann aber begreift er und weist Samuel an, sich zu erkennen zu geben.

Lernen auf Gott zu hören, heißt daher auch von anderen lernen. Von Menschen, die schon Erfahrungen gemacht haben mit diesem Gott. Auch aus ihrer Beziehung zu Gott lernen.

Lernen auf Gott zu hören, heißt auch auf andere hören und dann eigene Erfahrungen machen.

Lernen auf Gott zu hören, das ist lernen, Gottes Stimme zu erkennen unter den Stimmen.

Hier gibt der biblische Text ein paar Hinweise, wie das gehen kann, was helfen kann.

Samuel wird von Gott gerufen. Gott ruft aber nicht einfach: Hej du! Gott ruft Samuel mit seinem Namen.

Wenn Gott ruft, dann ist das persönlich gemeint. Da bin ich mit meiner Person gemeint. Mit meiner Persönlichkeit. Mit dem, was mich ausmacht. Meiner Geschichte, meinem Leben, meinen Stärken und Schwächen, meinen Begabungen, meiner Lebenssituation. Gott ruft Samuel bei seinem Namen. Der Name ist Identität. Er macht mich unverwechselbar, auch wenn es andere gibt, die diesen Namen tragen. Der Name holt mich heraus aus der Masse. Wenn Gott redet, dann ist das konkret. Wenn Gott mir redet, dann bin ich gemeint.

 

Ein Weiteres zeigt die Geschichte. Hanna, die Mutter Samuels, sieht Samuel nicht als ihr Eigentum an. Nicht sie hat sich die Macht gegeben Mutter zu werden, sondern Gott hat ihr das Muttersein geschenkt. Die Überlassung Samuels an Eli kann als Zeichen gesehen werden, dass Hanna Samuel Gott zurückgibt. So als würde sie sagen: „Danke, dass ich mit Samuel ein Kind geschenkt bekommen habe, aber es ist letztendlich dein Kind, Gott.“

Das verdeutlicht: In einem Menschenleben geht es nie darum die Pläne der Eltern zu verwirklichen, sondern um Gottes guten Plan für mein ganz individuelles Leben.

Vielleicht stimmen die Pläne ein manches Mal überein, aber wenn Gott mich ruft, dann werde ich es daran erkennen, dass er immer für mich ist, dass es ihm immer nur um mein Wohlergehen geht, dass er das Beste und Schönste aus mir herausholen möchte.

Gottes Gesicht in dieser Welt ist Jesus. In ihm sehen wir, wie Gott tickt. Gott ist kein Gott, der mich in Angst und Schrecken versetzt. Mir droht oder mich fallen lässt. Gottes Stimme, wird eine Stimme sein, die zu diesem Jesus passt. Wenn ich also Sätze der Erniedrigung höre oder Sätze, die mich zu tiefst verletzen, dann ist es nicht Gott, der zu mir spricht.

Gott zu hören. Seine Stimme zu erkennen unter all den vielen Stimmen, das ist ein Lernprozess. Samuel ging bei Eli in die Lehre und brachte seine Geschichte mit.

Welche Geschichte bringe ich mit?

Wo sind Menschen, die mir nahe sind, denen ich vertraue und die auch auf dem Weg sind mit Gott? Von ihm hören wollen? Sich von ihm im Leben helfen lassen?

Wo könnte Gott mich vielleicht schon angesprochen haben? Wo habe ich ihn gehört und wo vielleicht überhört?

Der biblische Text heute will meine Antennen neu ausrichten, dass ich Gott höre oder wieder höre in meinem Leben.

Warum? Und das ist die entscheidende Frage:  Weil er mir mein Leben geschenkt hat, weiß, was ich brauche und zu was ich begabt bin. Damit ich mein Leben in all seiner Fülle erleben kann.

Amen