Mutmachbrief

Ach, ja. Man weiß doch, dass die Sache gut ist. Dass man daran festhalten und sich nicht beirren lassen soll. Ja, weiß man alles und doch: Wenn einen jemand darin bestätigt, dann ist das einfach doppelt gut. Daher tut so ein Mutmachbrief richtig gut. Um so einen geht es heute und um die Bitte, dass Gott sich doch zeigen möge! Weihnachten naht.

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Das ist mal eine außergewöhnliche Geschichte. Ein kurzer Brief an eine kleine Gemeinde in der heutigen Türkei. Philadelphia.

Die Stadt wurde ca. 150 vor Christus gegründet. Im ersten Jahrhundert entstand dort eine christliche Gemeinde. Philadelphia ist als letzte Stadt der ganzen heutigen Türkei 1402 erobert geworden. Anders als in anderen türkischen Städten wurde die christliche Gemeinde dort vom Eroberer nicht vernichtet. Nachweislich bis Anfang des 20. Jahrhunderts gab es dort eine christliche Gemeinde. Heute heißt die Stadt Alasehir.

Wenn man innerlich einen Schritt zurück macht und mit etwas Abstand auf diesen Brief und die Geschichte schaut, scheinen mir zwei Gedanken wichtig zu sein:

Es waren schon zu Beginn schwierige Zeiten für eine christliche Gemeinde. Zumal wenn sie klein war, wenig Kraft, Macht und Einfluss hatte. Wohl auch wenig finanzielle Mittel.

Der junge christliche Glaube wurde vom Judentum angefeindet. Und von den anderen Religionen, bzw. Machthabern. Und auch gerne zum Sündenbock für alle möglichen Katastrophen und negativen Entwicklungen gemacht.

Der junge christliche Glaube – eine friedliche Religion, die Liebe predigt. Eine Religion, die eher defensiv und leise unterwegs ist. Die wert legt auf Gemeinschaft und Augenhöhe. In der Feinde nicht bekämpft, sondern geliebt werden sollen. Die sich der Schwachen annimmt, der Witwen und Waisen, der Kinder und Alten. Die Gewalt als Mittel der Politik und des gesellschaftlichen Handelns ablehnt.

Was soll ein solcher Glaube, eine solche Religion schon ausrichten gegen die Putins der damaligen und auch der heutigen Zeit. Gegen Terror und Krieg. Gegen Menschen und Organisationen, die kein Problem damit haben, mit alternativen Fakten Staat und Politik zu machen.

Ein Glaube, der einen Gott der Liebe festhielt und -hält, der allen Menschen den Himmel öffnet, vor allem den „Unwürdigen“. Ein Glaube, der von der Vergebung von Schuld redet und von Erlösung. Der die Freundlichkeit Gottes betont, seine Barmherzigkeit und Gnade. Ein Gott, der will, dass allen Menschen geholfen wird. Ein Glaube, der Neuanfänge möglich macht und sogar einem Verbrecher am Kreuz das Paradies anbietet.

Das Christentum war bis zur Konstantinischen Wende eine Nischenreligion und hatte nichts gemein mit Politik, Macht und Geld. Dass christlicher Glaube „gesellschaftlich relevant“ ist, war zu Zeiten der ersten Gemeinden unvorstellbar.

Der Rückgang des gesellschaftlichen Einflusses des christlichen Glaubens und der Kirchen könnte ja nicht nur eine negative Entwicklung sein, sondern eine Bewegung hin zu dem, was christlicher Glaube von Anfang an war: eine Herausforderung für alle Menschen und Gesellschaften. Weil im Evangelium die Welt und so wie sie tickt häufig auf den Kopf gestellt wird.

 

Und gleichzeitig, das ist mein zweiter Gedanke, übte der christliche Glaube schon von Anfang an eine große Faszination und Anziehungskraft aus, gerade weil er die Welt und so wie sie tickt, häufig auf den Kopf stellt: alle Menschen sind „auf Augenhöhe“ miteinander unterwegs. Jede:r soll genug zum Leben haben. Genug an materiellen Dingen, aber vor allem an Würde, Bildung und Gesundheit. Sünde und Schuld soll vergeben werden, Schulden mitunter einfach erlassen werden. Gnade soll vor Recht gehen. Frei und offen sollen wir leben, Christus soll unser Herr sein, ist aber gleichzeitig auch unser Bruder. Wir leben letztlich nicht von Macht und Geld, sondern davon, dass wir von Gott geliebte Kinder sind. Wir sind friedlich miteinander unterwegs. Und das Schönste kommt noch. Am Ende wird es gut…

Das fasziniert mich. Und es hat schon immer die Menschen fasziniert. In einer solchen Welt leben. Eine solche Welt zu gestalten und an einer solchen Welt mitzubauen. Und gegen allen Augenschein daran festhalten. Durchhalten. Einem solchen Gott die Treue halten.

Das haben die Menschen in der Gemeinde in Philadelphia wohl getan. Und sie werden in dem Brief in dieser Haltung bestärkt und gelobt.

 

Das braucht man ja auch ab und zu. Über 2000 Jahre hat es Christen in Philadelphia gegeben. Trotz allem. Trotz allen Anfeindungen und Herausforderungen.

Vielleicht hilft uns das in unserer Zeit. Wenn wir darüber nachdenken, dass der christliche Glaube auch bedroht und angefeindet wird. Und nicht mehr gesellschaftlich relevant zu sein scheint. Wenn die Fragen mehr und größer scheinen als die Antworten.

Trotzdem daran festhalten. Den Traum festhalten. Die Verheißungen Gottes festhalten. Und da und dort in den Gemeinden entdecken, dass es auch geht und funktioniert. Christlicher Glaube hat eine Zukunft. Das Evangelium lebt. Heute. Und bis in alle Ewigkeit.

 

Ich möchte beten …

 

Gebet

Gott, du siehst unsere oft kleine Kraft. Kirche ist vielen Menschen in unserem Land nicht mehr so wichtig. Wir wünschen es uns anders. Und wollen trotzdem und gerade deshalb an deinen Verheißungen festhalten. An deiner Liebe, an deiner Freundlichkeit. Wir wollen dieses Evangelium selbst leben und in unsere Umgebung hineintragen. Dich in deinem Bemühen, die Menschen zu erreichen, unterstützen. Hilf uns dabei. Und lass uns nicht verzagen, wenn wir oft eine kleine Schar sind und nur wenige, die sich in einer Gemeinde treffen. Gib uns Mut und Hoffnung, Kraft und Durchhaltevermögen.

Gemeinsam beten wir mit den Worten, die Jesus seine Jüngerinnen und Jünger zu beten gelehrt hat:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name.

Dein Reich komme, Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern,

und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.