Und führe mich nicht

Fasching vorbei. Fastenzeit da. Wer es nicht bei Rosenkohl fasten belässt, der hat die nächsten Wochen ein Problem: DURCHHALTEN. Wie schwer das ist, darüber reden wir heute. Doch vielleicht hat das Durchhalten auch etwas Gutes. Bevor es aber ans Eingemachte geht, beten wir mit Worten eines ganz berühmten Psalms.

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40 Tage Verzicht.  Diese Woche hat die vorösterliche Fastenzeit begonnen. Haben sie das schon einmal ausprobiert? Ich und meine Freundin haben uns für diese Zeit vorgenommen, keinen Kaffee zu trinken. Für erklärte Koffein-Junkies, die eigentlichen jeden Morgen mit einem so heiß aufgebrühten Muntermacher beginnen, bedeutet dieser Entzug am Anfang ordentliche Kopfschmerzen. Und doch glaube ich, dass es sich lohnt, einmal auf Angewohntes zu verzichten. Auf etwas, das schon ein Stückweit zur Abhängigkeit führen kann. Sei es Kaffee, Schokolade oder andere potenzielle Suchtmittel, die den Menschen in Beschlag nehmen.

Mal gucken, wie gut das mit dem „Kaffee-Fasten“ so läuft.

Was ist eigentlich der Sinn hinter diesem Fasten, hinter dem beschriebenen Verzicht?– Von der „schnellen Diät“ bis hin zum Einstieg in einen grundlegenden Lebenswandel  ist so ziemlich alles dabei: Kraft tanken, auf andere Gedanken kommen, mit sich selbst allein sein, die eigenen Gedanken einer Sortierung unterziehen …

Entscheidend dabei ist der eigene Antrieb, der eigene Wille zu einer Veränderung. Es ist ähnlich wie beim anfänglichen Kraftsport: Wenn eine Veränderung angestrebt und diszipliniert angegangen wird, kommt es dennoch vor, dass sich nicht der erwünschte Erfolg einstellt. Aber etwas anderes, was zunächst wenig Freude bereitet. Es bereitet anfangs oft körperliche Mühen.  Wer Erfolg haben will, muss einiges auf sich nehmen und diszipliniert daraufhin arbeiten. Wenn’s anders kommt, als erwartet, ist das keineswegs ein „Miss-Erfolg“. Der zweite, sachliche Blick deckt auf, dass Erfolg auch anders aussehen kann, als man ihn sich vorstellt.

Ein treuer Begleiter auf dem Weg zum Erfolg ist die Versuchung doch vorher abzubrechen. Doch am Morgen zur Kaffeemaschine laufen und die Filtertüte befüllen. Oder auf den Kraftsport übertragen: Doch die 5 Kilo Hantel nach dem ersten Anheben beiseitelegen und sich wieder zum Sofa bewegen. Die Versuchung ist allgegenwärtig. Man kann es sich ja auch einfach machen und mehr den Schein erwecken, man hätte es durchgezogen. Heute noch drei Tassen Koffeinstoff, morgen dann vielleicht nur noch zwei Tassen.

Ist das angestrebte Ziel eine gesündere Ernährungsweise, stellen Naschwerk und Genussmittel eine Versuchung dar. Heute esse ich nur noch diese eine Tafel Schokolade. Morgen dann nur noch einen Riegel. Und selbstkritisch gefragt: Wirklich?

Nehme ich mir wirklich vor zu Fasten und es durchzuziehen oder ist die innere Versuchung stärker als der edle Wille?

In unserer heutigen Bibelgeschichte geht es ebenfalls um „Versuchung“.

Da wird Jesus Christus, wie es heißt, vom Geist in die Wüste geführt um 40 Tage zu fasten. Hierauf geht wohl auch unser heutiger Brauch zurück. Als er nun an diesem lebensfeindlichen Ort angekommen ist, entkräftet zwischen den kargen Felsen zusammenbricht, tritt der Teufel, die Personifizierung der Versuchung schlechthin, an ihn heran um ihn von seinem Vorhaben abzubringen.

Jesus sagt von sich, dass er „der Sohn Gottes“ sei. Also jemand, der den wundertätigen Gott selbst zum Vater hat. Dann kann er doch einfach, aus der Kraft Gottes heraus, diese Wüstensteine in prall gefüllte Fladenbrote verwandeln, um den körperlichen Hunger zu stillen.

Ich habe mich oft gefragt warum Gott dies zulässt. Warum nicht zuletzt der göttliche Geist Jesus an diesen verlassenen Ort schickt und solchen körperlichen Strapazen aussetzt. Ein Kapitel zuvor noch, bei Jesus Taufe im Jordan, hat sich Gott selbst vor der Menschenmenge zu diesem Jesus bekannt: Dies ist mein Sohn! Und jetzt schickt er diesen Sohn wortwörtlich in die Wüste, wo er zu allem Überfluss noch mit dem Versucher schlechthin, dem Teufel, konfrontiert wird. So schwer nachvollziehbar das erstmal wirkt, so wird an dieser Geschichte doch deutlich, dass Jesus ganz Mensch und ganz Gott ist.

Die Versuchungen sind Merkmale seines Menschenseins: Natürlich hat Jesus Hunger, wie jeder Mensch, der sich in einer solchen Situation befände. Und natürlich tritt da auch an ihn die Versuchung heran, dieses körperliche Bedürfnis zu stillen und somit das Fasten vorzeitig zu brechen.

Das schlussendliche Durchhalten von vierzig Tagen fasten, das „den Teufel in seine Schranken zu verweisen“, sind Merkmale seiner Göttlichkeit. Kein gewöhnlicher Mensch könnte das in so einer Situation. Ich selbst hätte wahrscheinlich gleich in der ersten Woche umgedreht und wäre in die nächste Stadt, zum nächsten Basar gelaufen.

40 Tage ist eine echt lange Zeit. Der Körper ist vermutlich völlig entkräftet. Jesu Geist jedoch immer noch stark und treu in Gott, dem HERRN, der ihn an diesen Ort geführt hat.

Hierin erweist sich Jesus als der Sohn Gottes, dass er dem Wort Gottes gegenüber gehorsam ist. Ein Sohn, der im und aus dem Vertrauen auf den himmlischen Vater lebt und handelt. Was Ihn während der 40 Tage am Leben gehalten hat und was ihm in der Begegnung mit der Versuchung hilft, ist das Wort Gottes. Es ist seine verlässliche Basis. Er verliert so seinen Auftrag nicht aus dem Blick. Er kann dem Teufel schlagfertig entgegnen: „Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein, sondern von jedem Wort, dass aus dem Mund Gottes kommt“.

Dieses Wort stärkt, ermutigt und führt zum Erfolg.

Erfolg durch die Versuchung hindurch. Erfolg durch Versuchung. Was ein normaler Mensch sich als schlimme Katastrophe auf seinem Weg ausmalt, ist in Wirklichkeit oftmals ein Prüfstein für die Ernsthaftigkeit des Vorhabens. Es stellt heraus, ob es dem Betreiber um die Sache oder um sich selbst geht. Der Versuchung zu widerstehen eine vermeintliche Abkürzung auf dem Weg zum Erfolg zu nehmen, indem man hier und da mogeln könnte – dem zu widerstehen lohnt sich.

Auf dem Weg zum Erfolg durchschreitet man auch tiefe, dunkle Täler und Wüsten. Wer hierbei ein klares, lauteres Ziel vor Augen und einen inneren Halt hat – der wird erfolgreich sein. Für Christen kann dieser Halt die Gemeinschaft mit anderen sein, im Bibellesen und im täglichen Gebet zu Gott begründet liegen.

Auf dem Weg zum Erfolg vorankommen heißt auch der Versuchung ins Auge zu blicken, sich und seine Ziele infrage stellen zu lassen und eben jene Konfrontation nicht zu fürchten.

Erfolgreiches Leben und somit auch das Vorhaben zu fasten, bedeutet für mich, sich den Herausforderungen und Versuchungen des Lebens zu stellen. Wenn man nach dem Hinfallen und gelegentlichem Versuch zum Nachgeben wiederaufsteht, sich wieder berappelt und das Ziel nicht aus den Augen verliert. Beim Vorhaben Kaffee zu fasten, können die Momente kommen, in denen ich dann doch die Filtertüte befülle, den Wassertank vollmache und ich letztlich doch den Knopf der Maschine nicht einzuschalte. Wenigsten noch nicht, so lange man darauf verzichten will.

Erlebte Versuchung schärft hierbei den Blick. Überwundene Versuchung macht dankbar und demütig. Amen!