Banker, Gärtner oder Pfleger?

Was willst du mal werden? Viele die in den nächsten Monaten ihren Schulabschluss machen, werden das jetzt nervtötend gefragt. Als ob das so einfach wäre? Wie war das denn bei ihnen? Manchmal braucht alles einfach nur Zeit oder Mut, die richtigen Menschen… Welche Rolle spielt Gott vielleicht dabei?

Impulsgeberin ist Nicole Marten

Wochenspruch – Jes 60,2

Psalmgebet – Ps 97

Predigttext – Mose 3,1-14 – Auszüge

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Vor ein paar Jahren. Lena ist 17. Sie hat im Sommer ein Praktikum gemacht bei einem Landschaftsgärtner. Es ist schon das zweite. Ihr gefällt die Arbeit. Aber ist das wirklich die richtige Ausbildung für sie? Da sie weiter weg wohnt, ist sie für die Praktikumswoche bei mir. Sie hadert, sie zweifelt. Jeden Abend stellt sie mir die Frage, ob ich finde, dass sie das packt. Aber noch viel mehr beschäftigt sie, ob das die richtige Ausbildung ist. Die perfekte Ausbildung. Die, die sie dann bis ins Rentenalter trägt, die, die zu einem Beruf führt, der ein ganzes Berufsleben hält. Und ob es wohl Gottes Wille ist, diese Ausbildung zu beginnen? Ich kann ihr das so nicht sagen. Kann sie nur fragen, wie sie die schwere körperliche Arbeit packt. Ob sie das erfüllt. Sie fragt weiter.

Woran merkt man überhaupt, dass man auf dem richtigen Weg ist? Dass man seiner Berufung folgt? Oje, denke ich. Das ist ja ziemlich knifflig. Unsere Gespräche drehen sich im Kreis. Jeden Abend wieder. Dann habe ich eine Idee. Ich erzähle ihr einfach von meinem Berufsweg. Ich hatte erst eine ganz andere Ausbildung gemacht. Und sie durchgezogen, obwohl ich insgeheim wusste: „Das mit mir und der Beamtin auf dem Rathaus – das passt nicht zusammen.“ Meine Eltern hatten immer gesagt: Egal, was du machst, die erste Ausbildung wird abgeschlossen. Danach kannst du machen, was du willst. Es fiel mir nicht leicht, die vier Jahre durchzuhalten. Als ich fertig war, wurde ich nicht Beamtin, sondern ging in den Journalismus. Es war keine Stimme vom Himmel, die mir das gesagt hat. Aber es gab viele kleine Erlebnisse, die mich in eine bestimmte Richtung zogen. So erfuhr ich beispielsweise von einem Schnupperkurs Journalismus, einen Samstag lang. Da ging ich hin. Und siehe da: Es war genau das Richtige. So kam ein Schritt zum nächsten. Und ich wurde, was ich bin. Lena war die Frage nach der Ausbildung offenbar zu groß. Sie brach das Praktikum nach drei Tagen ab und fuhr nach Hause.

Ganz anders als die Situation von Lena ist die von Mose. Bei ihm schlägt die Berufung eher ein wie ein Blitz. Gerade hütet er noch die Schafe seines Schwiegervaters – und sieht dabei einen Busch, der brennt. Der aber nicht verbrennt. Das ist ja ungewöhnlich. Neugierig nähert er sich dem Busch. Aus dem Busch kommt eine Stimme. Sie ruft ihn, Mose. Und Mose sagt: „Hier bin ich.“ Dann kommt die Anweisung, dass er seine Schuhe ausziehen soll, denn er steht auf heiligem Boden. Gott stellt sich ihm vor – der Gott der Vorfahren. Kein Unbekannter. Ehrfürchtig steht Mose da, hat Angst davor, Gott zu sehen. Vielleicht ist er überwältigt, er spürt, da geschieht etwas Unfassbares, etwas, das sein Leben grundlegend verändern wird. Etwas Heiliges. Und da ist es auch schon. Denn Gott gibt ihm einen ungeheuerlichen Auftrag. Er soll zu Pharao und die Freilassung seines Volkes erwirken. Und er soll dieses Volk beim Auszug aus Ägypten anführen. Interessant ist die Antwort von Mose. Er ist nicht naiv und macht gleich alles, was Gott sagt. Sondern er fragt sich – und auch Gott: „Wie soll das denn gehen? Wer bin ich überhaupt, dass ich zum Pharao, zum mächtigsten Mann der Weltmacht Ägypten gehe und dort vorspreche?“ Und Gott verspricht, bei Mose zu sein. Aber Mose hat viele weitere Fragen. Wie heißt du, Gott? Was soll ich den Israeliten sagen? Gott antwortet jedes Mal geduldig. Im weiteren Verlauf der Erzählung diskutiert Mose mit Gott noch eine ganze Weile länger. Sagt Gott, welche Defizite er hat – er ist kein guter Redner, findet Mose zum Beispiel. Doch Gott lässt nicht locker. Er hat eine Lösung: Moses Bruder Aaron soll ihn unterstützen. Es dauert lange, bis Mose wirklich geht.

 

Bei wichtigen Entscheidungen denke ich manchmal: Es wäre ja schön, wenn ich eine Whatsapp vom Himmel bekäme. Wo alles drin steht. In der Gott mir mitteilt, was genau sein Plan ist für die Situation, in der ich gerade stecke. Dass es so wäre wie bei Mose und auch bei Abraham. Gott spricht: „Dies und jenes habe ich mit dir vor.“ Und ich muss nur noch gehen. Aber halt. So einfach ist das ja auch nicht, wie die Geschichte von Mose zeigt. Mose ist der Auftrag wohl insgeheim viel zu groß. Diese Schuhe passen ihm nicht. Die Begegnung mit Gott schlägt nicht nur ein wie ein Blitz, sie verunsichert auch total. Alles, was bisher war, wird auf den Kopf gestellt. Sicher. Mose bleibt ja Mose. Aber sein Leben als Schafhirte wird durch Gottes Auftrag komplett durcheinander gewirbelt. Nichts wird mehr sein, wie es war. Und es sind unbekannte Themen, unbekannte Begegnungen, unbekannte Erfahrungen, die da auf Mose warten. Er wird aus seiner Komfortzone herausgeholt. Und daran muss auch er sich gewöhnen. Trotz der Zusagen Gottes, dass die Israeliten nicht ohne Entschädigung gehen sollen. Gott kündigt sogar schon in diesem ersten Teil des Gespräches an, dass der Pharao die Israeliten nicht einfach so gehen lassen wird. Und dass er Wunder tun wird über Wunder, um den Pharao umzustimmen.

Manchmal ist es mit dem Willen Gottes so, dass wir keine klaren Anweisungen bekommen, dass wir ausprobieren müssen, wohin die Reise geht. Und selbst Ausschau halten, welche Türen sich öffnen. Manchmal wissen wir genau, was dran ist. Und zögern doch, das umzusetzen. Auch das darf sein. Gott geht mit uns. Mir hilft dabei dieser Gedanke:

Mose steht auf heiligem Boden, als Gott ihm seinen Auftrag gibt. Es ist also ein besonderer Ort, an dem er seine Schuhe auszieht, um seine Ehrerbietung gegenüber Gott zu zeigen. Die Erfahrung, die er dort macht, geht tief. Nach dem Gespräch mit Gott zieht Mose seine Sandalen wieder an und kehrt zurück in seinen Alltag. Der sich nun gewaltig verändern wird. Wie ist das bei mir, mit meinem Leben? Gerade haben wir Weihnachten gefeiert. Heute ist der letzte Sonntag im Weihnachtsfestkreis. Eine besondere Zeit. Im Wohnzimmer steht die Krippe. Und die Weihnachtspyramide. Für mich ist das etwas Schönes, Krippe und Pyramide bis Anfang Februar stehen zu lassen. Abends die Kerzen anzuzünden. Es ist für mich eine heilige Zeit. Doch wie die Begegnung am brennenden Busch wird auch diese Zeit enden. Morgen werde ich die Krippe wegräumen und die Weihnachtspyramide auch. Dann sieht das Wohnzimmer wieder aus wie fast das ganze Jahr. Ich gehe zurück in den normalen Alltag. Aber ich habe die Erinnerung an diese heilige Zeit im Herzen. Und damit auch die Erinnerung daran, dass Gott mit mir geht. In meinen Alltag. Ob er sich verändert hat oder ob er gleich bleibt.

 

Amen